Von der Diagonale

An dieser Stelle gibt es einen kurzen Bericht von der Diagonale 2009 in Graz. Wir besuchten das Festival des österreichischen Films drei Tage lang, vom 18. bis 20. März. Das Programmangebot war üppig, unser Hauptaugenmerk lag ganz klar auf Experimental-, Kurz- und Animationsfilmen. Wie das bei Experimentalfilmen so ist, waren natürlich ein paar Filme dabei, bei denen die größte Aufmerksamkeit dem schon fast lang ersehnten Schluss galt. Auf der anderen Seite gab es schon eine handvoll sehr inspirierender Arbeiten zu sehen.

Ganz spontan fällt mir dabei der Film distorted areas~ 0.1 von Manuel Knapp ein. Auf dessen Webseite www.manuelknapp.com gibt es übrigens guten noise-Sound zum vorsätzlichen Vergraulen der Lautstärke-empfindlichen Nachbarn.

Erste Bekanntschaften konnte ich auch mit den Werken von der Künstlerin Mara Mattuschka machen. Ihr aktueller Experimentalfilm burning palace zeigt vier Personen einer Tanzgruppe, die sich in einem Hotel diversen Regungen im erotischen Sinn hingeben und durch merkwürdige, scheinbar unmögliche Bewegungen zum Ausdruck bringen. Die dabei erzeugten Geräusche der Tänzer und Tänzerinnen werden geschickt in ihrer Geschwindigkeit verändert und ergänzen das Video auf eine ganz eigenartige Weise. Der Kurzfilm erinnerte mich von der Albtraumhaftigkeit her stark an erste Arbeiten von David Lynch.

Sehr erwähnenswert ist auch der Kurzdokumentarfilm home.movie von Martin Bruch. Auch dieser hat eine eigene Webseite unter www.martinbruch.eu. Martin Bruch ist im Jahr 1990 an Multiple Sklerose erkrankt und seitdem an den Rollstuhl angewiesen. Zur Erleichterung des täglichen Lebens ließ der Filmemacher in seiner Wohnung ein “Deckenmontieres Hebesystem” installieren. Dieses Schienensystem ermöglicht Martin, in einer Art Klettergeschirr und mit einem Elektromotor angetrieben durch seine gesamte Wohnung zu fahren. Trotz Behinderung sind Stellen auch bis knapp unter die Zimmerdecke für ihn erreichbar. Ein geniales System! Genauso genial ist sein Kurzfilm, der von diesem Hebesystem handelt. Durch Einstellungen aus der Perspektive des Rollstuhlfahrers wird dem Betrachter gezeigt, wie schwer und anstrengend ganz alltägliche Sachen sein können. Kurze Zeit später erfährt man, um wieviel leichter diese Dinge werden, wenn man durch den Hebelift quer durch die ganze Wohnung fahren kann. Der Film lädt zur Reise in die Wohnung Martin Bruchs ein. Sehr spannend und faszinierend.

Das beste am ganzen Filmfestival war natürlich unser freier Eintritt zu jeder Vorstellung, weil unser Western McFinnen und Wallace den Publikumspreis beim film:riss 08 gewonnen hat.

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Im Schubert Kino, direkt in der Altstadt mit zwei Kinosälen, gibt es ein Film-Transportsystem von einem Vorführraum in den anderen. Dabei läuft der Film durch das Cafe im Kinovorraum und durch die Decke in den Keller, bis er schließlich durch einen Schlitz in der Betonwand in den Vorführraum gelangt. Das bedarf natürlich ein paar Fotos:

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Und weil man auch schon in Graz war und bei der Suche nach einem Restaurant bzw. Cafe an Neuhold Elektronik vorbeigelaufen ist, musste man da bei einem kurzen Besuch auch gleich zwei fette Elkos kaufen. Jeweils 0,5F bei 15V, das fetzt. Wakalixes!

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