Brief von Wolfgang Pauli

In historischen Büchern und Schriftstücken zu den wichtigsten physikalischen Entwicklungen zu stöbern, ist oft mehr als interessant und fördert manch lustige Passagen zu Tage. Beispielsweise ein Brief vom ehrenwerten Wolfgang Pauli an Liese Meitner und Hans Geiger aus dem Jahre 1930. Hier ist ein kurzer Auszug vom Beginn und Ende des Briefs. Sehr zu beachten die gehobene Ausdrucksweise, die Leute hatten damals einfach noch mehr Zeit für solche Details.

Liebe Radiaktive Damen und Herren,
wie der Überbringer dieser Zeilen, den ich huldvollst anzuhören bitte, Ihnen des näheren auseinandersetzen wird, bin ich angesichts der “falschen” Statistik der N- und Li 6-Kerne, sowie des kontinuierlichen beta-Spektrums auf einen verzweifelten Ausweg verfallen, um den “Wechselsatz” der Statistik und den Energiesatz zu retten. Nämlich die Möglichkeit, es könnten elektrisch neutrale Teilchen, die ich Neutronen nennen will, in den Kernen existieren , welche den Spin 1/2 haben und das Ausschließungsprinzip befolgen und sich von Lichtquanten außerdem noch dadurch unterscheiden, daß sie nicht mit Lichtgeschwindigkeit laufen. Die Masse der Neutronen müßte von derselben Größenordnung wie die Elektronenmasse sein und jedenfalls nicht größer als 0,01 Protonenmasse.
(Leider ist Herr Pauli bei diesen Massenangaben bekanntlich etwas daneben gelegen, alle anderen Annahmen treffen jedoch zu.)

Ich gebe zu, daß mein Ausweg vielleicht von vornherein wenig wahrscheinlich erscheinen mag, weil man die Neutronen, wenn sie existieren, wohl längst gesehen hätte. Aber nur wer wagt, gewinnt, und der Ernst der Situation beim kontinuierlichen beta-Spektrum wird durch den Ausspruch meines verehrten Vorgängers im Amte, Herrn Debye, beleuchtet, der mir kürzlich in Brüssel gesagt hat: “O, daran soll man am besten gar nicht denken, so wie an die neuen Steuern.” Darum soll man jeden Weg zur Rettung ernstlich diskutieren. – Also, liebe Radioaktive, prüfet und richtet. – Leider kann ich nicht persönlich in Tübingen erscheinen, da ich infolge eines in der Nacht vom 6. zum 7. Dez. in Zürich stattfindenden Balles hier unabkömmlich bin. – Mit vielen Grüßen an Euch, sowie auch an Herrn Back,
Euer untertänigster Diener
W. Pauli

Es ist der Charme vergangener Zeiten, der in diesen beiden kurzen Abschnitten sichtbar wird. Eigentlich sollte man sich heutzutage einfach die Zeit nehmen und seine E-Mails auch in diesem Stil verfassen und die Schriftstücke mit ein paar Anekdoten aufpeppen.


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