EMP threats in the U.S.

Es ist nicht mehr lang bis zum Jahr 2010. Aus diesem Grund sollte man sich noch vorab schon einmal gewissenhaft überlegen, wer bzw. was nächstes Jahr zu einer ernsthaften Bedrohung werden könnte. Das gilt im Übrigen für Privatpersonen genau so wie für mehr oder weniger große bzw. übermächtige Staaten. Dabei ist in beiden Fällen ein elektromagnetischer Puls so ziemlich das schlimmste was passieren könnte, außer natürlich exterminiert zu werden.

Genau zu diesem Thema habe ich ein interessantes Paper des PhD Studenten Colin R. Miller im Internet gefunden mit dem klingenden Titel “Electromagnetic Pulse Threats to U.S. Expeditionary operations in 2010″ (wie so oft lässt sich U.S. durch us ersetzen). Hier ist der Link dazu. Das Paper ist 34 Seiten stark und glücklicherweise in der “Distributionsstufe A” also “Approved for Public Release; Distribution is Unlimited”. Sonst hätte ich das auch nicht hier auf wakalixes verlinkt.

Im Paper wird zuerst erklärt, wie das künftige Kriegsführungskonzept der USA auszusehen hat und worauf dabei in Bezug auf mögliche Gefahren aufgepasst werden muss. Dann werden prinzipiell unterschiedliche Arten der EMP-Erzeugung erklärt:

  1. Zum eine wäre da die Zündung einer Atombombe in der Ionosphäre (Nuclear High Altitude EMP – HEMP). Eigentlich für ein paar verrückte Schurken schwierig zu realisieren, aber man weiß ja nie. Zerstörungskraft ist enorm. Ganze Staaten könnten damit der modernen Kommunikation und Informationsbeschaffung beraubt werden.
  2. Zweite Möglichkeit besteht im Bau eines großen Mikrowellenofens (High Power Microwaves). Würde ich mal für einen engagierten Hobbyelektroniker und Bastler als bereits machbar herausstellen, zumal viele schon einen Teslatrafo gebaut haben und das Wissen auf gezielte Mikrowellenproduktion anwenden könnten. Auswirkungen sind damit mal eher lokal beschränkt auch wenn so eine Waffe um die Brust geschnallt schon was einiges kaputt machen könnte.
  3. Drittens wäre da die EMP-Erzeugung durch eine kleine handliche Kofferbombe. Man muss zwischen Flux Compression Generator (FCG) und dem Virtual Cathode Oscillator (Vircator) unterscheiden. Ersterer funktioniert folgender Maßen: Eine Kondensatorbatterie wird aufgeladen und durch eine massive Spule entladen. Im richtigen Moment zündet der Sprengstoff und komprimiert die Spule, wodurch das aufgebaute Magnetfeld explosionsartig überhöht wird und ein EMP abgestrahlt wird. Soll anscheinend schon in den 50er Jahren in Amerika und Russland entwickelt worden sein. Der Vircator hingegen hat eine ausgefeiltere Funktionsweise: Ein Elektronenstrahl wird auf eine Folienanode beschleunigt, wo sich eine Raumladung ausbildet, welche mit Mirowellenfrequenz oszilliert. Die Raumladung wird in einem resonanten Oszillator erzeugt und kann damit ein starkes Mikrowellen Feld erzeugen. Dann wird mit Sprengstoff die Form des Oszillators vom Zylinder zu einem Horn verändert, damit die Energie effizient abgestrahlt werden kann.

Nach diesem Abschnitt kann man beim Lesen des Papers fast nicht glauben, dass Hobbybastler nicht schon längst die ganze Welt mit zahlreichen EMPs in Schutt und Asche gelegt haben. Naja, auf jeden Fall werden vom Autor noch drei spezielle Szenerien erarbeitet, die die USA in den nächsten Jahren treffen könnten. Im Endeffekt läuft es immer auf das gleiche hinaus. Es müssen potentielle Terroristen verhindert werden. Nur gut, dass jetzt auch jeder, der einen Lötkolben bedienen kann als solcher eingestuft wird. Ich würde mir also das nächste Mal genau überlegen, ob die Hochspannungskondensatoren im µF Bereich wirklich notwendig sind und man mit dem Kauf das Risiko eingehen möchte, auf einer Überwachungsliste zu landen.

Zum Abschluss noch ein kurzer Auszug aus dem Paper:

At the same time, U.S. leadership, half a world away, would have little information and little time to order a response, and the event would expose America’s Achilles’ heel for the world to see. Crippled U.S. naval forces would have to limp home, while other similarly vulnerable forces hurriedly deploy to relieve them.


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