Jun 3 2009

Brief von Wolfgang Pauli

In historischen Büchern und Schriftstücken zu den wichtigsten physikalischen Entwicklungen zu stöbern, ist oft mehr als interessant und fördert manch lustige Passagen zu Tage. Beispielsweise ein Brief vom ehrenwerten Wolfgang Pauli an Liese Meitner und Hans Geiger aus dem Jahre 1930. Hier ist ein kurzer Auszug vom Beginn und Ende des Briefs. Sehr zu beachten die gehobene Ausdrucksweise, die Leute hatten damals einfach noch mehr Zeit für solche Details.

Liebe Radiaktive Damen und Herren,
wie der Überbringer dieser Zeilen, den ich huldvollst anzuhören bitte, Ihnen des näheren auseinandersetzen wird, bin ich angesichts der “falschen” Statistik der N- und Li 6-Kerne, sowie des kontinuierlichen beta-Spektrums auf einen verzweifelten Ausweg verfallen, um den “Wechselsatz” der Statistik und den Energiesatz zu retten. Nämlich die Möglichkeit, es könnten elektrisch neutrale Teilchen, die ich Neutronen nennen will, in den Kernen existieren , welche den Spin 1/2 haben und das Ausschließungsprinzip befolgen und sich von Lichtquanten außerdem noch dadurch unterscheiden, daß sie nicht mit Lichtgeschwindigkeit laufen. Die Masse der Neutronen müßte von derselben Größenordnung wie die Elektronenmasse sein und jedenfalls nicht größer als 0,01 Protonenmasse.
(Leider ist Herr Pauli bei diesen Massenangaben bekanntlich etwas daneben gelegen, alle anderen Annahmen treffen jedoch zu.)

Ich gebe zu, daß mein Ausweg vielleicht von vornherein wenig wahrscheinlich erscheinen mag, weil man die Neutronen, wenn sie existieren, wohl längst gesehen hätte. Aber nur wer wagt, gewinnt, und der Ernst der Situation beim kontinuierlichen beta-Spektrum wird durch den Ausspruch meines verehrten Vorgängers im Amte, Herrn Debye, beleuchtet, der mir kürzlich in Brüssel gesagt hat: “O, daran soll man am besten gar nicht denken, so wie an die neuen Steuern.” Darum soll man jeden Weg zur Rettung ernstlich diskutieren. – Also, liebe Radioaktive, prüfet und richtet. – Leider kann ich nicht persönlich in Tübingen erscheinen, da ich infolge eines in der Nacht vom 6. zum 7. Dez. in Zürich stattfindenden Balles hier unabkömmlich bin. – Mit vielen Grüßen an Euch, sowie auch an Herrn Back,
Euer untertänigster Diener
W. Pauli

Es ist der Charme vergangener Zeiten, der in diesen beiden kurzen Abschnitten sichtbar wird. Eigentlich sollte man sich heutzutage einfach die Zeit nehmen und seine E-Mails auch in diesem Stil verfassen und die Schriftstücke mit ein paar Anekdoten aufpeppen.


May 7 2009

Myst auf dem iPhone

Was mich als eingefleischten Myst-Fan die letzten Tage am meisten überrascht hat, war die Nachricht, dass das “uralt”-Adventure-Spiel für das iPhone erhältlich ist. Myst war eines der ersten Adventure-Spiele neben Monkey Island und wurde auf einem damals noch sehr unüblichen Datenspeichermedium, auf mehreren CD-ROMs ausgeliefert. Das original Spiel erschien 1993.

Für kleinen Preis kann man sich nun eine 730MB Installationsdatei für das iPhone runterladen. Nähere Infos im dazugehörigen Gizmodo-Artikel. Es gibt auch ein youtube Video zu den ersten Minuten des Spiels.

Nach so langer Zeit der Stille rund um die Myst-Spiele-Saga ist das eine willkommene Überraschung. Natürlich muss ich bei der Gelegenheit auch meine schon in die Jahre gekommene Myst-Fanseite verlinken. Die Seite lässt nostalgische Gefühle in mir aufleben, nach acht Jahren und erst zwei Jahren seit dem letzten Update.


Feb 24 2009

Walking Pace

Folgende Statistik wurde in “The Visual Display of Quantitative Information” von Edward Tufte aus dem Jahr 1983 gefunden. Jemand hat sich tatsächlich die Mühe gemacht, den offensichtlichen Zusammenhang in einem so schönen Diagramm zusammenzufassen. Interessant auch die Auswahl der Städte bzw. Ortschaften.

pace_city_life


Jan 27 2009

Rechnen mit Stil

Wie haben die Leute gerechnet, bevor elektrische Maschinen erfunden wurden? Mit nem Abakus rechnen galt schon im 17. Jahrhundert als altmodisch und es begann das Zeitalter der mechanischen Rechenmaschinen. Ende des 19. Jahrhunderts konstruierte der Schwede Willgodt Theophil Odhner die Sprossenradmaschine. Genau solch ein Modell habe ich vor kurzem um ca. 260€ bei ebay über den Ladentisch gehen sehen.

Genug der tollen Worte viel interessanter ist die Sprossenradmaschine in Aktion beim Quadratwurzelziehen. Man beachte das akkustische “Ding” beim Drehen des Hauptrades.

Eine ganz witzige Erklärung der Funktionsweise gibt’s hier:

Besucht auch die Webseite über historische Rechenmaschine auf retrocalculators.com


Jan 22 2009

Karatschai-See

Über die Liste von radioaktiven Unfällen auf wikipedia bin ich auf einen Vorfall aufmerksam geworden, der von der Strahlungsbelastung bei weitem schlimmer war als der Vorfall im Reaktor Tschernobyl.

In Kyschtym, Russland, explodierte im Jahr 1957 ein Tank mit radioaktiven Abfällen. Die Hintergrundgeschichte ist mehr als kurios. Nachdem alle Abfälle des Reaktors Majak von 1949 bis 1951 einfach in den nahe gelegenen Fluss Tetscha geleitet wurden und massenhaft Leute an der Strahlenkrankheit gestorben sind, wurde die Strategie geändert und der radioaktive Müll einfach in den Karatschai-See umgeleitet. Erst zwei Jahre Später 1953 kam man auf die Idee, das strahlende Zeug in riesigen Tanks zu lagern.

Gute Idee, wenn da nicht ein Problem gewesen wäre: Durch die Strahlung heizen sich die Tanks auf und müssen ständig gekühlt werden. Als 1957 die Zuleitungen zu einem Tank undicht geworden sind, trocknete der Inhalt aufgrund der Wärme schnell aus und die entstandenen Nitritsalze explodierten aufgrund eines in einem integrierten Messgerät entstandenen Funkens. Langer Rede kurzer Sinn, die Gegend ist verstrahlt, die Umwelt kaputt und keiner will jemals wieder dorthin. Doch es kommt noch besser.

In den 1960er begann der See auszutrocknen und in einer Trockenperiode im Jahr 1967 wurde der radioaktive Staub trockengelegt. Nun überrascht es keinen mehr, wenn ich sage, dass dieser Staub durch den Wind verweht wurde und 1800km² mit einer der Explosion von Hiroshima ähnlichen Strahlendosis bedeckt wurden. Deshalb wurde der Karatschai-See von 1978 bis 1986 (8 Jahre!) mit Beton gefüllt und vollständig abgedeckt. So weit, so gut, aber es geht noch weiter.

In Zukunft kann nicht ausgeschlossen werden, dass das verseuchte Wasser des Sees durch Grundwasserströme in den Ob gelangen und damit bis zur Arktischen See transportiert werden. Viel Spaß.

Das Beste an dieser Geschichte ist meiner Meinung nach, dass diese Aneinanderreihung unglücklicher Umstände erst 1989 von der russischen Regierung öffentlich bekannt gegeben wurde und heute alle Leute davon immer noch nichts wissen.

Nachzulesen im wikipedia-Artikel zur Anlage Majak und dem Karatschai-See.