HV30 Flip Hack

Um aus kleinen Kompaktkameras mit ihrem leider viel zu klein geratenen Chip dennoch halbwegs ansehnliches Bildmaterial rausholen zu können, gibt es so genannte 35mm-Adapter in diversen Ausführungen und Preisklassen. Mit einem solchen Adapter kann man mit einem herkömmlichen Fotografie-Objektiv filmen. Dazu wird das Bild durch das Objektiv auf eine meist rotierende oder vibrierende Mattscheibe abgebildet und von dort von der Kamera mit einem Weitwinkelobjektiv abgefilmt. Der große Vorteil dabei ist die starke Reduzierung der Tiefenschärfe, wodurch das Videomaterial den ersehnlichen Film-Look erhält. Die Mattscheibe wird bewegt, damit dessen Struktur bei der Aufnahme nicht sichtbar ist, besonders bei HDV ein Problem.

Beschreibung

Ein großer Nachteil dieser Adapter ist, dass die Abbildung auf der Mattscheibe natürlich auf dem Kopf steht und spiegelverkehrt ist. Es gibt mehrere Möglichkeiten, dieses Problem zu beseitigen: Durch ein Prisma das Bild aufrichten, die Kamera verkehrt an einem Rig montieren oder zur Aufnahme die Anzeige im LCD spiegeln. Bei den beiden letzten Möglichkeiten muss das Material in der Postproduktion noch korrigiert werden.

Nachdem es sich im speziellen Fall um eine HDV-Kamera HV30 von Canon handelt (freundlicherweise von einem Kollegen für dieses wahnwitzige Experiment zur Verfügung gestellt bzw. in Auftrag gegeben), bleibt bei dieser Kamera für Bastler nichts anderes übrig, als den so genannten “Flip Hack” einzubauen. Dazu muss man wissen, dass beim Drehen des LCD auf die Vorderseite und wieder Einklappen, das Bild am Display von Haus aus horizontal und vertikal gespiegelt wird. Es befinden sich kleine Schalter in der Montierung des Displays, welche ab einer gewissen Position des Displays gedrückt werden.

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Überbrückt man nun diese beiden eingebauten Schalter mit einem zusätzlichen zweipoligen Schalter und montiert diesen an einer geeigneten Stelle, kann man das Bild auf einfache Weise spiegeln ohne das Display zu drehen bzw. zu kippen oder andere umständliche Modifizierungen vornehmen zu müssen.

Zerlegen

Zu diesem Flip Hack gibt es unzählige Infos und Anleitungen im Internet zu finden. Unter anderem ein Video-Tutorial auf vimeo. Die Hauptbotschaft ist wohl, dass man sich beim Zerlegen der Kamera unbedingt ein System zur Aufbewahrung und Kennzeichnung der entfernten Schrauben zulegen sollte.

Eine absolut unschlagbare Methode ist die des doppelseitigen Klebebandes. Einfach ein paar breite Streifen Klebeband auf ein DIN A4 Blatt aufkleben und Sektoren in der Größe der Kamera für Grund-, Auf- und Seitenriss einzeichnen. Entfernt man jetzt einen Schrauben an einer beliebigen Seite der Kamera, wird dieser mit dem Kopf nach unten genau an der Position auf den “Schraubenplan” geklebt, die der Position des Loches an der Kamera entspricht. Prinzipiell genügt es, nur die ungefähre Position zu ermitteln, also “rechts unten” oder “links oben zwischen den beiden vorhandenen Schrauben”. Nachdem an jeder Seite nur ein paar Schrauben zu entfernen sind, hällt sich die Anzahl der Schrauben für jede Kameraansicht auf dem Klebeband in Grenzen. Eventuell muss man sich für besonders knifflige Stellen eine weiter Klebebahn anfertigen. Man kann auch mit einem Kugelschreiber Notizen an den Schrauben machen, z. B. I-”innen”, P-”Platine”.

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Mit der Methode kann man die Kamera locker mehrere Male zerlegen und es geht kein Schrauben verloren oder wird an die falsche Stelle montiert.

Umbau

Für den Umbau der Kamera muss man zuerst einen geeigneten Platz für den Schalter finden. Bei der HV30 bietet sich eine kleine Einbuchtung oberhalb des SD-Kartenslots geradezu für dieses Vorhaben an. Nach dem Zerlegen der Kamera wird vorsichtig ein passendes Loch in das Kunststoffgehäuse gebohrt und der Schalter mit einem Tropfen Superkleber an der Innenseite montiert.

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Die Montierung des Schalters ist in diesem Fall so perfekt gelungen, dass man auf den ersten Blick die Modifizierung gar nicht erkennt. Für den Hack müssen nur noch die standardmäßigen Schalter in der Display-Montierung ausfindig gemacht werden. Diese werden ausgebaut und an den entsprechenden Kontakten ein dünner Schaltdraht angelötet. Solche Schalter schalten prinzipiell immer gegen Masse. Also kann man an einem Schalter auch gleich die Masse mit einem weiteren Draht abgreifen. Beim Einbau der Schalter muss darauf geachtet werden, dass die Mechanik nicht von einem eingeklemmten Draht blockiert wird. Zusätzlich werden die Litzen festgeklebt.

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Zu guter Letzt müssen die Schaltdrähte nur noch mit dem neuen zwei poligen Schalter verbunden werden und man hat es geschafft. Sofern man beim Zerlegen aufgepasst hat, kann man die Kamera jetzt auch noch richtig zusammenbauen und es kann die Funktion geprüft werden. Somit kann ein kleiner unscheinbarer Hack ungeahnten Komfort beim Filmen mit einem 35mm-Adapter bringen.

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Und wofür das ganze? Hier ein gibts ein paar Testaufnahmen mit einem 135mm 1:2.8 und 50mm 1:1.4 Objektiv: