Jun 22 2009

HDR

High-Dynamic-Range Fotografie bietet eine sehr einfache Möglichkeit seine Fotos wie gemalt aussehen zu lassen. Doch genauso einfach lässt sich dieser Effekt übertreiben, wodurch die Bilder ein gewisses Maß an Kitsch bekommen. Ein gutes HDR überzeugt dadurch, dass man es dem Bild, wenn überhaupt, erst beim zweiten Blick anmerkt. Eine kurze Kostprobe von der Lagerhalle eines Zementwerks:

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Zahlreiche professionelle Ergebnisse findet ihr auf der Seite von Stefan Zimmermann im Abschnitt “Industrie nachts”.


Jun 3 2009

Brief von Wolfgang Pauli

In historischen Büchern und Schriftstücken zu den wichtigsten physikalischen Entwicklungen zu stöbern, ist oft mehr als interessant und fördert manch lustige Passagen zu Tage. Beispielsweise ein Brief vom ehrenwerten Wolfgang Pauli an Liese Meitner und Hans Geiger aus dem Jahre 1930. Hier ist ein kurzer Auszug vom Beginn und Ende des Briefs. Sehr zu beachten die gehobene Ausdrucksweise, die Leute hatten damals einfach noch mehr Zeit für solche Details.

Liebe Radiaktive Damen und Herren,
wie der Überbringer dieser Zeilen, den ich huldvollst anzuhören bitte, Ihnen des näheren auseinandersetzen wird, bin ich angesichts der “falschen” Statistik der N- und Li 6-Kerne, sowie des kontinuierlichen beta-Spektrums auf einen verzweifelten Ausweg verfallen, um den “Wechselsatz” der Statistik und den Energiesatz zu retten. Nämlich die Möglichkeit, es könnten elektrisch neutrale Teilchen, die ich Neutronen nennen will, in den Kernen existieren , welche den Spin 1/2 haben und das Ausschließungsprinzip befolgen und sich von Lichtquanten außerdem noch dadurch unterscheiden, daß sie nicht mit Lichtgeschwindigkeit laufen. Die Masse der Neutronen müßte von derselben Größenordnung wie die Elektronenmasse sein und jedenfalls nicht größer als 0,01 Protonenmasse.
(Leider ist Herr Pauli bei diesen Massenangaben bekanntlich etwas daneben gelegen, alle anderen Annahmen treffen jedoch zu.)

Ich gebe zu, daß mein Ausweg vielleicht von vornherein wenig wahrscheinlich erscheinen mag, weil man die Neutronen, wenn sie existieren, wohl längst gesehen hätte. Aber nur wer wagt, gewinnt, und der Ernst der Situation beim kontinuierlichen beta-Spektrum wird durch den Ausspruch meines verehrten Vorgängers im Amte, Herrn Debye, beleuchtet, der mir kürzlich in Brüssel gesagt hat: “O, daran soll man am besten gar nicht denken, so wie an die neuen Steuern.” Darum soll man jeden Weg zur Rettung ernstlich diskutieren. – Also, liebe Radioaktive, prüfet und richtet. – Leider kann ich nicht persönlich in Tübingen erscheinen, da ich infolge eines in der Nacht vom 6. zum 7. Dez. in Zürich stattfindenden Balles hier unabkömmlich bin. – Mit vielen Grüßen an Euch, sowie auch an Herrn Back,
Euer untertänigster Diener
W. Pauli

Es ist der Charme vergangener Zeiten, der in diesen beiden kurzen Abschnitten sichtbar wird. Eigentlich sollte man sich heutzutage einfach die Zeit nehmen und seine E-Mails auch in diesem Stil verfassen und die Schriftstücke mit ein paar Anekdoten aufpeppen.


Jun 1 2009

Politische Verblödung

Eigentlich bin ich ja nicht sehr politsch unterwegs, aber wenn mir etwas so stark aufstoßt wie die Aktion einer bestimmten österreichsichen Partei in der vergangen Woche, drängt es mich, etwas dazu zu schreiben.

Letzte Woche wurden Jugendliche in ganz Österreich mit einem Comic zur “politischen Bildung” im Briefkasten überrascht. Ich selbst bekam dieses Heftchen nur durch meine 18 jährigen Schwestern zu Gesicht. Mein Kommentar dazu: Die haben sich mit dem Comic ganz klar selbst übertroffen! Nur dieser einen Partei gelingt es, zahlreiche politische Fachausdrücke und Zusammenhänge den Jugendlichen leicht verständlich mit unterschwelligen Botschaften gespickt zu erklären und mit dermaßen sexistischen Abbildungen anzureichern, dass das Heftchen von den Pubertierenden mit entsprechender politischen Gesinnung nur heimlich unter der Decke mit einer Taschenlampe gelesen werden kann.

Eine absolute Frechheit ist auch die Tatsache, dass auf der ersten Seite des Comics und in dem persönlich adressierten Brief explizit darauf hingewiesen wird, dass es sich dabei um keine “Parteiwerbung” oder “EU-Propagandaschrift” handle. Es stellt sich bereits im ersten Bild mit einer Fußnote zur Erklärung “komplizierter” Begriffe heraus, dass genau das Gegenteil zutrifft und massivst Werbung betrieben wird.

Zusammenfassungen und Hintergründe zu dieser Geschichte gibt es vor allem in einem Artikel im Standard und in einem dazugehörigen Kommentar.

Damit sich der interessierte Leser auch hier seine Meinung zu diesem Heftchen bilden kann, habe ich mich sogar überwunden, ein paar Fotos davon zu machen.

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Natürlich ist klar, dass die Partei mit diesem Heftchen die polarisierende Wirkung erzielt und heftige Diskussionen damit ausgelöst hat und dadurch in aller Munde ist. Aus diesem Grund dürfen die anderen Parteien jetzt nicht schlafen und müssen darauf richtig reagieren und zwar auf eine Weise, die die Jugendlichen auch nachvollziehen können. Rechtliche Schritte werden nun bestimmt auch dagegen eingeleitet. Eine derartig hintertückische Manipulation von Jugendlichen darf nicht ungestraft bleiben.

Aus diesem Grund sollte sich jeder genau überlegen, welcher Partei er bei der kommenden Wahl seine Stimme geben will.


May 11 2009

Herr der Ringe – Fan Movie

Seit dem 3. Mai 2009 gibt es den Herr der Ringe Fanfilm “The Hunt for Gollum” im Internet gratis als Download. Eine größere Handvoll Briten aus North Wales haben innerhalb von zwei Jahren einen Kurzfilm gedreht, der sich sehen lassen kann und in dem viele Elemente aus dem “richtigen” Herr der Ringe ähnlich professionell umgesetzt wurde. Von richtig gruseligen Orks und Nazgul, über einen stark kämpfenden Aragorn zusammen mit Gandalf und natürlich mit Gollum sind alle Hauptcharaktere eines Projekts im Herr der Ringe Universum vertreten. Sehr gelungen finde ich dabei die besonders schwierige Umsetzung der Gollum-Szenen. Zusammen mit Kamerafahrten über malerische Landschaften und fesselnder, selbst komponierter Musik wurden alle für die HdR-Stimmung notwendigen Elemente mit kleinem Aufwand nachgestellt. Und das Beste dabei ist, es funktioniert! Der Film ist nicht etwa ein billiger Abklatsch, den ein paar Jugendliche mal schnell am Wochenende gedreht und geschnitten haben, sondern es handelt sich dabei um eine durchdachte und genau geplante Produktion. Vor lauter Professionalität darf man dabei aber nicht die Motivation der Filmemacher vergessen: Spaß am Drehen! Das merkt man auch an den im Abspann eingefügten Outtakes bzw. Behind the Scenes.
Schaut euch also den Film an und lasst euch inspirieren, wenn ihr nicht schon selbst am Filmdrehen seid! www.thehuntforgollum.com

Hier gibt es den zweiten Trailer zum Film:

Es freut mich sehr, immer mehr semi-professionelle und teils sehr aufwendige Privatproduktionen zu sehen. Es gibt immer mehr Leute, die sich ihre eigenen Kinofilme produzieren und das völlig umsonst!


May 7 2009

Myst auf dem iPhone

Was mich als eingefleischten Myst-Fan die letzten Tage am meisten überrascht hat, war die Nachricht, dass das “uralt”-Adventure-Spiel für das iPhone erhältlich ist. Myst war eines der ersten Adventure-Spiele neben Monkey Island und wurde auf einem damals noch sehr unüblichen Datenspeichermedium, auf mehreren CD-ROMs ausgeliefert. Das original Spiel erschien 1993.

Für kleinen Preis kann man sich nun eine 730MB Installationsdatei für das iPhone runterladen. Nähere Infos im dazugehörigen Gizmodo-Artikel. Es gibt auch ein youtube Video zu den ersten Minuten des Spiels.

Nach so langer Zeit der Stille rund um die Myst-Spiele-Saga ist das eine willkommene Überraschung. Natürlich muss ich bei der Gelegenheit auch meine schon in die Jahre gekommene Myst-Fanseite verlinken. Die Seite lässt nostalgische Gefühle in mir aufleben, nach acht Jahren und erst zwei Jahren seit dem letzten Update.


Apr 26 2009

Gleisbaumaschine

Zwischen Wörgl und Hopfgarten ist bis 5. Mai ein Schienenumbauzug zur Renovierung der Bahntrasse unterwegs. Selten sieht man eine derartig große Maschine (200m lang, 800t schwer) im Einsatz. Sie wird auf dieser Strecke dazu eingesetzt, eine neue Planumsschutzschicht einzubauen. Dazu hebt der Zug die Gleise an, sammelt den darunter liegenden Schotter auf und zerkleinert die Steine in einem 1000PS starken Steinbrecher. Anschließend wird das Material unter dem Gleis verteilt, planiert und das Gleis wieder abgelegt. Bei einem zweiten Durchgang wird auf die gleiche Weise neuer Schotter aufgetragen. Ein Video und weitere Infos gibt es hier.

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Eine solche Gleisbaumaschine ist für ihren Einsatz zwar hoch spezialisiert, zur selben Zeit aber sehr beweglich aufgebaut, um sich jeder Bahntrasse anpassen zu können. Aus diesem Grund sind zahlreiche Pneumatikzylinder und einige Steuerpulte auf den gesamten Zug verteilt. Zum Antrieb des Steinbrechers, der Förderbänder und des Zugs selbst werden mehrere Dieselmotoren eingesetzt. Es gibt also einige technische Spezialiäten zu bestaunen. Weitere Fotos gibt es auf flickr.


Apr 13 2009

Schotterhaufen

Foto-Tour in Kirchbichl, Schotter für die Bahngleise der neuen Unterinntaltrasse wird dort gelagert.

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Mehr Fotos dazu im Flickr-Album. Viel Spaß!


Apr 5 2009

Direkttonermethode

Die Direkttonermethode zum Platinenätzen, wie sie auf der Webseite von Thomas Pfeifer beschrieben ist, funktioniert verblüffend einfach. Die Idee: Der Toner eines Laserdruckers ist säureresistent und kann damit statt dem Fotoresist beim Ätzen einer Platine verwendet werden. Der große Vorteil dabei ist, dass man sich die zusätzlichen Schritte des Belichtens und Entwickelns des Fotolacks erspart.

Man druckt das spiegelverkehrte Layout mit einem Laserdrucker auf eine Katalog- oder Zeitschriftenseite (Conrad oder alte ct-Zeitschriften eignen sich perfekt). Dieses Papier ist erstens sehr dünn und löst sich leicht im Wasser auf (später wichtig) und es ist sehr glatt, sodass der Toner nicht vom Papier aufgesogen wird, wie das normalerweise der Fall wäre. Anschließend nimmt man eine kupferkaschierte Platine ohne Fotoresist und bügelt das ausgedruckte Layout drauf. Durch die große Hitze des Bügeleisens wird der Toner wieder flüssig und bleibt auf dem Kupfer haften. Die Katalogseite klebt dann auf der Platine. Deshalb wird diese in warmes Wasser mit etwas Spülmittel eingelegt und das Papier beginnt, sich aufzulösen. Das kann man dann einfach mit den Finger runter reiben. Dieser Schritt muss sehr gründlich gemacht werden, damit keine kleinen Fasern hängen bleiben und den Ätzprozess verschlechtern. Man sollte keine Angst haben, den Toner von der Platine zu kratzen. Gut aufgebügelter Toner lässt sich nicht mal mit dem Daumennagel entfernen. Zu guter Letzt wird die Platine in das Ätzbad gegeben und man hat die Platine innerhalb von 7 Minuten vor sich liegen. Unglaublich geniale Idee! Man erspart sich teure Overheadfolie und den UV-Flachbettscanner zum Belichten und den Entwickler. Platinen ohne Fotoresist sind auch billiger. Hier ein Foto des ersten Testergebnisses ohne Ätzung. Leider staute sich das Papier immer vor der Fixiereinheit im Laserdrucker. Es wird später sowieso ein schärferer Laserdrucker getestet. Aber die Methode funktioniert überraschend gut!

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Mit einem aufgebohrten Foliergerät bzw. Laminator lässt sich das noch weiter perfektionieren. Man braucht nur eine Temperaturregelung für etwas höhere Temperaturen und muss eventuell die maximale Dicke für eine Platine anpassen. Mehr dazu in diesem Artikel von Thomas Pfeifer.

Zu guter Letzt eine kleine Rätselaufgabe: What is it?

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It’s fantastic! Mehr dazu und die Auflösung gibt es hier.


Mar 30 2009

IceBox Update

Endlich ward die Zeit gefunden, den Artikel zum IceBox-Aufmotzen zu erstellen. Kurz zusammengefasst handelt es sich hierbei um das Projekt, eine gebrauchte Tiefkühltruhe mit einer Mikrocontroller-Schaltung so abzuändern, dass sie auf eine einstellbare Temperatur im Bereich zwischen 0 und 10°C kühlt. Warum der ganze Aufwand? Die dadurch gebaute Kühltruhe eignet sich von den Abmessungen her perfekt zum Bierbrauen. Aber dies ist eine andere Geschichte, Update kommt noch.

Die ausführliche Beschreibung des Projekts findet sich im PimpMyIceBox-Artikel. Hier ein kleines Foto der Schaltung:

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Interessanterweise hatte jemand anders vor kurzer Zeit genau die selbe Idee für einen “brew-fridge-thermostat” auf hackaday.com veröffentlicht. Was für ein Zufall! Die Kultur des Selber-Bierbrauens scheint weit verbreitet zu sein, nicht nur hier in Österreich. Wakalixes!


Mar 28 2009

Zeitsparwerk

Im Tiroler Unterland in Wörgl bauen wir einen Hackerspace bzw. kreativen Freiraum mit dem Namen “Zeitsparwerk” auf. Dazu wurde im letzten Monat der “Verein zur Förderung der HeimwerkerInnen Kultur” gegründet und mitten in der Stadt Wörgl eine 130m² große Halle angemietet. Heute konnten die ersten Sachen in den Space transportiert werden, unter anderem ein großer alter Kasten. Mehr Infos und aktuelle Neuigkeiten zum Zeitsparwerk in Wörgl gibts auf www.zeitsparwerk.org.

Ich bin hochmotiviert und kann es kaum erwarten, diese Halle mit interessanten Projekten und Zeugs zu füllen und zu einem Ort zu machen, in dem die verücktesten Bastelprojekte verwirklicht werden können. Ob Elektronikbastler, Betonboxengießer, Hacker oder sonstige kreative Köpfe, jeder ist willkommen.

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